Zum Anfang des 20. Jahrhunderts entstanden die ersten Natur- und Heimatschutzvereine. Sie trieben die Unterschutzstellung ästhetischer und hochwertiger Areale als Naturschutzgebiete oder wasp-302590_640(1)Naturgärten voran. Auch der biologische und biodynamische Landbau fand in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts seinen Beginn. Nun wird der Naturgarten europaweit als eigene Stilrichtung anerkannt. Er verbleibt jedoch ein Relikt einer Strömung innerhalb vieler der sogenannten „Moderne“ im Gartenbau.

So existieren parallel die Ideen und Theoreme des Architekturgartens, des Reformgartens und des Landschaftlichen Wohngartens, auch die postmodernen Schöpfungen der Gartenarchitektur. Die diversen Stile grenzen sich wohl vom intellektuellen Standpunkt her gesehen durchaus stark voneinander ab, die Grundstrukturen bleiben aber zwangsläufig in etwa dieselben. Ihre Gemeinsamkeit ist ohne Zweifel die Auseinandersetzung des gesellschaftlichen Verständnisses mit dem Gegenüber des Verhältnisses zur Natur.

Naturgarten und Industrialisierung

Was zur Mitte des 19. Jahrhunderts seinen Anlauf nahm und heute die Welt an den Rand einer Katastrophe gebracht hat, nämlich die Industrialisierung, in ihrer Folge Säkularisierung und Globalisierung hätte, so wird postuliert, zu einem „individualisierten Naturverständnis“ beigetragen. Doch bleiben wir bei den Wortbegriffen. Der Naturgarten versteht sich von seiner Wortbedeutung her als der Garten der Laien.

Er hat stark privaten, eher bürgerlichen Charakter. Weiter ist er aus pädagogischen oder auch aus Naturschutzinitiativen entstanden, die gewohnheitsgemäß ihr Menschenpotenzial „von unten“, und aus der Mitte gewinnen. Während die anderen Theorien und Umsetzungen zum Naturgarten, also Reformgarten, Architekturgarten etc. eher von Gartengestaltern, Stadtgärtnern, Gartenbauarchitekten und so weiter forciert wurden, hat die naturnahe Gartengestaltung, im Zuge der Entwicklung eines neuen Umwelt- und Naturbewusstseins, nunmehr eine breite Öffentlichkeit im Rücken.

Die Natur in ihrer Vielfalt, vor allem aber auch als geschlossenes System, dass nur mit negativen Folgen gestört werden kann, ist mehr und mehr in den Fokus der Allgemeinheit gelangt.

Strömungen

Gartenhistoriker zeigen drei unterschiedliche Strömungen in der Naturgartenbewegung. Da wäre einmal die „Biologische und ökologische Gartenkunst“, die zum Ende des 18. Jahrhunderts auftauchte, der „Private Naturschutz“, der in den Siebzigern aufkam sowie die „Funktion für den Menschen“ ab den achtziger Jahren des vorigen Jahrhunderts.

So stellt sich die Naturgartenbewegung immer noch als sehr ambivalent eingestellt gegenüber der professionellen Landschaftsarchitektur und der historischen Gartenkunst. Engagierte Laien und Umweltaktivisten wandten und wenden sich gegen entfremdete Gartenkultur und Umweltzerstörung durch den etablierten Landschaftsbau.