US-amerikanische Studien zeigen den Erfolg von Service Learning deutlich. Schüler/-innen und auch Lehrer/-innen werden, aufgrund der engen Zusammenarbeit von Schule und Umfeld, für außerschulische Themen und Probleme sensibilisiert. Service Learning führt so zu einer Öffnung der Schule nach außen und zur gesellschaftlichen Teilhabe von Schüler/-innen. [7]
Eine Verbesserung der Charaktereigenschaften und eine Stärkung der Persönlichkeit der Schüler/-innen wurden ebenfalls festgestellt. So zeigten sie ein höheres Selbstwertgefühl, eine bessere Selbstwirksamkeit und vor allem verbesserten sich ihre sozialen Kompetenzen. Lehrer/-innen berichteten zudem einer höheren Konfliktlösungskompetenz in der Schule und einer verbesserten Kommunikationsfähigkeit der Schüler/-innen gegenüber Lehrern und anderen Erwachsenen. [8]
Weitere positive Nebeneffekte von Service Learning zeigten sich darin, dass dieses Unterrichtskonzept das Lernverhalten der Schüler/-innen verbessert und ihre moralischen, ethischen und zivilgesellschaftlichen Werte stärkt. Dies zeigt sich u. a. in ihrem ausgeprägteren sozialen Verantwortungsbewusstsein. [9]
Die Einflüsse von Service Learning auf berufliche Entwicklungswege der Schüler/-innen sind bemerkenswert. In ihrer praktischen Tätigkeit in den Einsatzstellen lernen sie An- bzw. Herausforderungen sowie berufliche Abläufe kennen, was bei der späteren Berufswahl und Ausbildung von großem Vorteil sein könnte. [10]
Mit dem Pilotprojekt der Freudenbergstiftung „Verantwortung lernen“ begann 2001 die erste Erprobung des Konzepts in der Bundesrepublik Deutschland. Zehn Schulen im Bundesgebiet erprobten und evaluierten über ein halbes Jahr lang das Konzept, das unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Anne Sliwka stand.
Auch die deutschen Erfahrungen sprechen für das Service Learning. Die beteiligten Schüler/-innen berichteten, dass das gemeinnützige Engagement Spaß mache, da man auf diese Art seine persönlichen Vorlieben mit in den Unterricht einfließen lassen kann. Es war für sie wichtig, sich mit ,echten’ Problemen auseinander zu setzen und das Gefühl zu haben, wirklich gebraucht zu werden. Die Loslösung vom Schulalltag wurde von den Schüler/-innen ebenfalls als positiv aufgenommen.
Die Lehrer/-innen waren teilweise sehr überrascht vom engagierten Einsatz der Jugendlichen, die im Schulalltag nicht immer durch aktive Teilnahme auffielen.
Auch der Klassenzusammenhalt sei besser geworden und viele hätten ein größeres Selbstbewusstsein entwickelt. [11]
Die externen Partner empfanden die Arbeit mit den Jugendlichen ebenfalls als Bereicherung, es entstanden vielfältige win-win-Situationen. Daher wünschten sich viele Einrichtungen die Zusammenarbeit fortzusetzen, um so noch mehr von den Projekten zu profitieren. Durch qualitativ hochwertige Partnerschaften wird der Nutzen der Lernerfahrungen gesteigert; der Erfolg und die Nachhaltigkeit des gesamten Service Learning-Projektes werden enorm von den außerschulischen Einsatzstellen beeinflusst.[12]
Alle beteiligten Schulen haben nach dieser Phase ihre Bereitschaft erklärt, den begonnenen Entwicklungsprozess in einem „Schulentwicklungsnetzwerk Service Learning / Verantwortung Lernen“ fortzusetzen. Es hat sich gezeigt, dass alle Schulen, die Service Learning Projekte durchgeführt haben, einen Zuwachs an sozialen Kompetenzen bei ihren Schüler/-innen konstatiert haben und das neue Unterrichtskonzept als Bereicherung des Schulalltags ansehen. Viele Jugendliche möchten auch weiterhin an Projektdurchgängen teilnehmen und sich zudem als Multiplikatoren engagieren. Lehrer/-innen berichteten ebenfalls von einer positiveren Wahrnehmung der Schule im Stadtumfeld.
Seitdem wird das Lehr- und Lernkonzept auch in anderen Netzwerken zur Schulentwicklung und bürgerschaftlichem Engagement sowie in Pädagogikkreisen und Politik diskutiert. Darüber hinaus werden nun Möglichkeiten der curricular verankerten Einbindung in den Unterricht aller Schulformen entwickelt.
Sehr interessantes Zitat (März 2010) von Sandra Zentner von der LdE-Bundesnetzwerkstelle der Freudenbergstiftung, die die Wirksamkeit von Service Learning in Deutschland erforscht:
„Systematische Untersuchungen über die Wirksamkeit von Service-Learning existieren bislang vor allem in den USA. Dort konnte gezeigt werden, dass Service-Learning positiv auf die schulische, soziale, persönliche und ethische Entwicklung von Schülerinnen und Schülern wirken kann. Auch zivilgesellschaftliche Einstellungen und Kompetenzen werden positiv beeinflusst. Neuere Untersuchungen weisen aber auch darauf hin, dass die meisten Effekte auf Kinder und Jugendliche stark davon abhängen, wie und in welcher Qualität Service-Learning in den Schulen umgesetzt wird. Service-Learning ist dann wirkungsvoll "when done well" - wie es oft sinngemäß in der Literatur heißt.
In Deutschland gibt es bislang keine systematische, bundeslandübergreifende Untersuchung zur Wirkung von Service-Learning auf Schülerinnen und Schüler. Mit meinem Dissertationsvorhaben in Pädagogischer Psychologie an der Universität Potsdam möchte ich beginnen, diese Lücke zu schließen. In einer Studie, die knapp 30 Service-Learning-Schulen aus 7 Bundesländern einbezieht, erfasse ich, wie sich Service-Learning auf die Verantwortungsbereitschaft, das Selbstvertrauen, die Schul- und Lernmotivation und einige soziale Kompetenzen von Schülerinnen und Schülern (insbesondere Empathie und Perspektivenübernahme) auswirkt. Zudem werde ich untersuchen, wie dies in Zusammenhang mit der Art der Umsetzung der Projekte steht. Für die Studie werden die an Service-Learning beteiligten Schülerinnen und Schüler und – falls möglich – eine vergleichbare Gruppe derselben Schule, die nicht an Service-Learning teilnimmt (Kontrollgruppe), einmal vor Beginn und einmal nach Abschluss des Service-Learning-Projekts an ihrer Schule gebeten, einen Fragebogen auszufüllen. Die erste Befragungswelle zu Beginn des Schuljahres 2009/10 ist mittlerweile abgeschlossen und es haben sich insgesamt fast 1200 Schülerinnen und Schüler beteiligt, darunter auch 165 aus insgesamt 6 Schulen in Sachsen-Anhalt. Vielen Dank allen Beteiligten! Die zweite Befragung findet zum Ende des Schuljahres statt und dann beginnt für mich die spannende Auswertungsphase.“

Siehe auch:
Vortrag zur Wirkungsforschung LdE, Sandra Zentner September 2009, Halle