Recherche

1. Phase: Recherche

Ein Service Learning Projekt beginnt mit einer Phase der Recherche. Eine methodische Grundlage dafür bietet das „Detektivspiel“ (siehe Downloads). Anhand dieser Stadtteilanalysemethode erforschen Schülerinnen und Schüler das Umfeld der Schule und identifizieren dort die größten Herausforderungen und Probleme. Sie gehen zum Beispiel, ausgerüstet mit Notizblock und Kamera, durch das Stadtviertel und interviewen Anwohner/innen, Bürgermeister/innen, Gemeinderäte, Freunde, Geschäftsleute, Mitarbeiter/innen aus sozialen Einrichtungen und Vereinen. Die Schüler/-innen entdecken neue Aufgabenfelder, lernen diese zu beschreiben und reagieren auf die Bedürfnisse der befragten Personen. Darauf aufbauend entwickeln sie allein oder in Kleingruppen Projekte, die das soziale Umfeld der Schule verbessern können. Auf diese Weise entsteht ein Fundus an Möglichkeiten, der alle Bereiche wie Ökologie, Kultur, Soziales und Sport umfassen kann. Auf die Recherchearbeit bauen alle weiteren Schritte auf. Je genauer dieser Grundstein gelegt ist, umso leichter lassen sich die weiteren Schritte planen und umsetzten.

Auch Grundschulkinder können als „Detektive“ ihren Sozialraum erkunden – beispielsweise durch Befragung ihrer Mitschülerinnen und Mitschüler oder Erkundungen auf dem Schulgelände. Schüler/-innen ab der fünften Klasse werden sicherlich die Schule und das direkte Gebiet um die Schule herum in Augenschein nehmen. Mit zunehmendem Alter der Schüler/-innen lässt sich der Handlungsraum auf den Stadtteil, die Ortschaft oder sogar auf Landes- und Bundesebene erweitern.

Die Recherche kann auch an bereits vorhandene Projekte innerhalb der Schule anknüpfen. Besondere Berücksichtigung sollten in diesem Fall die Bedürfnisse der Schüler/-innen finden. Im Idealfall bilden die Anliegen der Schüler/-innen den Ausgangspunkt für die zu entwickelnden Service Learning Projekte. Auf diese Weise ist die Motivation der Jugendlichen höher, weil sie sich eher mit dem Aufgabenfeld identifizieren.

Auch wenn bereits eine konkrete Projektidee vorhanden ist, sollten die Schüler/-innen eine entsprechende Recherchephase vornehmen und festlegen, was das Engagement beinhalten soll, denn „ohne Recherchephase kann es passieren, dass die Schüler/-innen keine eigenständige, wirklich gebrauchte Aufgabe übernehmen und sich als überflüssig fühlen.“ [1]

2. Phase: Ideensammlung, Projektentwicklung

Wie lassen sich die ermittelten Probleme beheben? Wie können wir unsere Schule öffnen und Aufgaben in Angriff nehmen, die die Lebensqualität im Stadtteil verbessern oder dem Gemeinwesen zu Gute kommen? Mit welchen externen Partnern können wir zusammenarbeiten?

Die 2. Phase lebt von kooperativen Lernmethoden. Die Schüler/-innen entwickeln gemeinsam mit Lehrer/-innen sowie Partnern im Gemeinwesen konkrete Ideen zur Lösung eines Problems. In diesem Arbeitsschritt kann das Brainstorming, also das „kommentarlose Sammeln von spontanen Einfällen als Lösung von Problemen“ als Methode zur Anwendung kommen. [2] Aber auch die fünf W-Fragen (WER macht WAS WANN für WEN und WARUM?) können einen Leitfaden für die Schüler/-innen bilden und sie bei der Projektentwicklung unterstützen. [3] Im demokratischen Prozess fällt eine Entscheidung darüber, welche Projekte zuerst verwirklicht werden sollen. Im Unterricht erwerben die Kinder und Jugendlichen Fachwissen und Kompetenzen zur Umsetzung des Projekts. Sie verteilen Aufgaben untereinander und legen die nächsten Schritte fest. Schon von diesem Zeitpunkt an reflektieren sie regelmäßig ihren Lernprozess. Das bezieht sowohl den Erwerb fachlichen Wissens als auch die Qualität der Zusammenarbeit im Team ein.

Die Suche nach einem geeigneten Gemeindepartner findet ebenfalls zu Beginn eines Service Learning Projekts statt. Hierbei ist es wichtig, dem Gemeindepartner das Konzept von Service Learning von Anfang an zu erklären und diese Unterrichtsmethode von anderen Formen der Mitarbeit (wie etwa dem Schülerpraktikum) abzugrenzen. Auch die Vorstellungen des Gemeindepartners sollten Berücksichtigung finden. Zusätzlich ist es sinnvoll, die getroffenen Vereinbarungen schriftlich festzuhalten und sie von allen Beteiligten, also Lehrer/-innen, Schüler/-innen und Gemeindepartnern, unterschreiben zu lassen. [4]

3. Phase: Umsetzung

Je nach Altersstufe und der schulinternen Verwirklichung der Service Learning Projekte können diese in unterschiedlicher Form und Größe stattfinden. Wichtig dabei ist vor allem die Einbettung in den Schulunterricht. Dabei kommt den Lehrer/-innen die besondere Aufgabe zu, Verknüpfungen zwischen den praktischen Erfahrungen der Schüler/-innen und dem theoretischen Schulstoff zu vermitteln. Sehen die Jugendlichen die Wissensaneignung im Unterricht als Zugewinn für ihre Projekte an, werden sie motivierter lernen. Die Lehrer/-innen begleiten den Prozess, regen ihn an und müssen den Jugendlichen Hilfe und Motivation in Konfliktsituationen und Stagnationsphasen geben. Zudem pflegen sie den Austausch zwischen den außerschulischen Partnern. [5] Für den Lernerfolg der Schüler/-innen sind diese Phasen von entscheidender Bedeutung. Neben der Aneignung von Fachwissen erlernen sie auch, Krisen zu überwinden und Kontinuität zu zeigen. (siehe die Phasen eines Projekts in der „Projektverlaufskurve“)

Einen wichtigen Bestandteil für die Umsetzung des Projekts bildet die Arbeit der Schüler/-innen in Kleingruppen. Die unterschiedlichen Fähigkeiten der einzelnen Schüler können sich in der Gruppenarbeit ergänzen und so neue Synergien erzeugen. Die Gruppenmitglieder können sich gegenseitig anspornen und ihre Arbeit intern kontrollieren. Damit die Gruppenarbeit seine positiven Effekte entfalten kann, müssen die Arbeitsaufgaben so verteilt werden, dass jeder Schüler das einbringt, was er am besten kann. Daher ist es nicht sinnvoll, dass Schüler vollkommen unvertraute Aufgaben übernehmen. [6]

Projektverlaufskurve

Projektverlaufskurve

nach spezial Band 2, Methodenhandbuch für die Projektplanung und Antragstellung im EU-Aktionsprogramm JUGEND für Europa, Bonn

4. Phase: Anerkennung/ Abschluss

Viele reden davon und trotzdem kommt es immer wieder vor, dass sie leider zu kurz gekommen ist: Die Anerkennung und der Dank für alle Beteiligten als Ausdruck gegenseitiger Wahrnehmung und des Respekts gegenüber den Mitwirkenden. Der Blumenstrauß nach der Ausstellungseröffnung, das Zertifikat nach dem Durchlaufen des Detektivspiels, die Einladung zum Kaffee nach der Projektwoche oder dem „Tag der offenen Tür“ sind Möglichkeiten, wie Schüler/-innen für ihr Engagement gedankt werden kann. Welche Formen der Anerkennung besonders geeignet sind, muss für jede Klasse bzw. jedes Service Learning Team neu bestimmt werden. Das wird auch auf die Lehrkraft als Koordinator/in zurückstrahlen. „Anerkennung und Würdigung geleisteter Arbeit sind wichtige Voraussetzungen zur Entwicklung von Selbstwirksamkeit. Eine gestärkte Selbstwirksamkeit der Schüler/-innen wiederum macht weiteren Einsatz und weiteres Handeln/Engagement in neuen Kontexten wahrscheinlicher.“ [7] Am besten sammeln man erste Ideen schon während der Planung der Service Learning Projekte. Man kann hier gut Neues und Ausgefallenes zu versuchen, um damit eine Kultur der gegenseitigen Anerkennung zu fördern.

Beispiele:

In der Schulzeitung finden die Namen der externen Partner/innen aus dem Gemeinwesen Erwähnung und sie erhalten ein Exemplar der Zeitung. Fotos der Beteiligten des Projekts (z.B. die Ausgestaltung eines Gemeindefestes) werden ihnen mit einer Grußkarte überreicht.

 

Projektbegleitend: Reflexion

Bei Service Learning Projekten spielt neben der praktischen Umsetzung einer Aufgabe und der theoretischen Wissensvermittlung die Reflexion eine entscheidende Rolle. Sie wird oft als Herzstück des Service Learnings bezeichnet, denn ein Großteil des Lernens und der Verknüpfung und Speicherung des Gelernten finden durch die Reflexion statt. Hier geschieht der Transfer in die schulische Alltagswelt: Was habe ich gelernt? Wie hat sich mein Tun auf den Prozess und auf meine Gruppenmitglieder ausgewirkt? Welche besonderen Probleme traten auf und wie haben wir sie gelöst? Auf was sollten wir künftig achten, um unsere Arbeit zu verbessern? Reflexion verwandelt also „die praktische Erfahrung der Schüler/-innen in bedeutungsvolle Lerninhalte.“ [8]

In jeder Phase eines Service Learning Projekts sollte es die Möglichkeit geben, dass die Schüler/-innen eine kurze Rückmeldung über den Stand ihrer Arbeit und ihr persönliches Befinden mit der Projektarbeit geben. Nach bestimmten Arbeitsabschnitten und auf jeden Fall am Ende des Projekts steht eine ausführliche Auswertung der Arbeit. Selbsteinschätzung, Gruppenauswertung und die Reflexion über das Erreichen der Zielsetzungen des Projekts sind (neben klassischen Bewertungs- und Beurteilungsformen) wichtige Bestandteile dieser Phase.

Die Rolle der Lehrerin/des Lehrers ist die der Moderatorin bzw. des Moderators. Sie/er greift unterstützend und motivierend ein und überprüft die Einhaltung des Zeitplans und der Absprachen. Die Einbeziehung der Kooperationspartner ist sehr sinnvoll und fördert die vertrauensvolle gemeinsame Weiterarbeit.

Die häufigste Arten der Reflexion bilden das Verfassen von Lerntagebüchern und die mündliche Diskussion. Daneben gibt es es eine große Vielfalt von weiteren Reflexionsmethoden: Paargespräche, Kugellager, Collagen, Zeichnen, Fotografieren oder die Erarbeitung eines Leitfadens für Schüler/-innen, die zukünftig Service Learning Projekte durchführen wollen. [9]

 

Literaturhinweise:

 

[1] Seifert, Anne. Lernen durch Engagement. Eine Unterrichtsmethode, die soziales und fachliches Lernen kombiniert. In: Forum Schulstiftung. Nr. 50 (06/2009). S. 134

[2] Sliwka, Anne/ Frank, Susanne. 2004. Service Learning. Verantwortung lernen in Schule und Gemeinde. Weinheim. S. 30

[3] Seifert, Anne. Lernen durch Engagement. Eine Unterrichtsmethode, die soziales und fachliches Lernen kombiniert. In: Forum Schulstiftung. Nr. 50 (06/2009). S. 137

[4] ebd. S. 135

[5] ebd. S. 138

[6] Sliwka, Anne/ Frank, Susanne. 2004. Service Learning. Verantwortung lernen in Schule und Gemeinde. Weinheim. S. 35-36

[7] Seifert, Anne. Lernen durch Engagement. Eine Unterrichtsmethode, die soziales und fachliches Lernen kombiniert. In: Forum Schulstiftung. Nr. 50 (06/2009). S. 142

<http://www.schulstiftung-freiburg.de/de/forum/pdf/pdf_350.pdf> (Stand 14-8-2009)

[8] ebd. S. 140

[9] ebd. S. 140